Iris Templeton / Foto: Wolfgang Schmidt


Vita

Iris Templeton wurde 1973 in Hohengehren (Baden-Württemberg) geboren. Nach ihrem Abitur studierte sie von 1992 bis zu ihrem Diplom 1998 Freie Kunst, Kunsttherapie und Kunstpädagogik an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg bei Bremen. Es folgte für ein Jahr ein Studium der Psychologie an der Universität Hamburg. Seit 2000 arbeitet Iris Templeton freischaffend, gibt Kunstkurse und hat zahlreiche Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen realisiert. Sie ist mit dem Cellisten und Kulturmanager Amadeus Templeton verheiratet und Mutter.

Iris Templeton was born in 1973 in Hohengehren (Baden-Württemberg, Germany). After finishing school, she studied fine art, art therapy and art education at the Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg near Bremen from 1992 until her diploma in 1998. This was followed by a year of studying psychology at the University of Hamburg. Since 2000, Iris Templeton has worked as a freelance artist, teaches art courses and has realised numerous solo and group exhibitions. She is married to the cellist and cultural manager Amadeus Templeton and is a mother.


Ausstellungen

1996 Hochschule für Künste im Sozialen, Ottersberg
1997 Galerie augenart, HH / „bläulich“
2000 Galerie 22, HH / „Ein Jahr, 365 Arten Postkarten“
2000 Galerie xprssns, HH
2000 Galerie 22, HH / „artverwandtschaften“
2001 Albertinen Galerie, HH / „farbweise“
2003 Galerie 22, HH / „ENOKI“
2003 Praxis Dr. Schultze & Dr. Rieger, Schenefeld / „wechselspiel“
2003 Galerie 22, HH / „vorfreude“
2004 Galerie Mittelweg 13, Hamburg
2005 Galerie 22, HH / „art goes christmas“
2006 Galerie 22, HH / „Künstler der Galerie“
2007 Galerie 22, HH / „Künstler der Galerie“
2004 – 2014 GLS-Bank, HH / Dauerausstellung
2016 Galerie im Tschaikowski-Haus, Hamburg
2018 Atelier-Ausstellung, Dillstraße, HH
2019 TONALi Galerie, HH / Einzelausstellung
2020 TONALi Galerie, HH / Einzelausstellung
2021 Elbschloss Residenz, HH / Einzelausstellung
2022 TONALi Galerie, HH / Einzelausstellung
2022 KunstPunkt, Augustenborg, Dänemark / Gruppenausstellung
2022 TONALi Galerie, HH / Einzelausstellung
2023 TONALi Galerie, HH / Einzelausstellung
2024 THE YARD Gallery, HH / Einzelausstellung
2025 THE YARD Gallery, HH / Einzelausstellung
2026 THE YARD Gallery, HH / Einzelausstellung


–> Lesetipp: Titelgeschichte / a tempo Magazin / Oktober 2022 mehr …

 


Portraits 

Jonas Binder
Rede zur Vernissage am 15. November 2025, The Yard Gallery, Hamburg

Guten Tag zusammen,
ich habe die Ehre, heute zur Eröffnung der Ausstellung etwas zu sagen. Aber es ist ja ganz unsinnig, über konkrete Bilder etwas zu sagen. Bilder sprechen doch für sich. Nonverbal. Und wenn die Künstlerin Iris Templeton etwas verbal ausdrücken wollte, würde sie das schon selbst tun. Ich kann aber etwas über mich sagen. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass ich heute hier sprechen darf. Ich kenne und liebe die Bilder von Iris seit langer Zeit. Ihr schönstes Bild werden Sie heute hier nicht finden, denn es belebt bereits unser Zuhause. Für mich ist an der Magie dieser Bilder neben ihrer feinen Farb- und Formsprache wesentlich, dass sie einen Mittelpunkt zwischen abstrakt und gegenständlich hervorbringen, der einen großen Raum öffnet. Wer sich mit Resonanz beschäftigt, wird wissen, dass die Mitte zwischen Polen immer ein Kristallisationspunkt ist. Mit einem Blick in das Atelier von Iris wird auch deutlich, wie sie das macht. Dort trifft man auf ein Arsenal von Farben jeder Art und Herkunft, von Werkzeugen, auch zweckentfremdeten, um sie zu verarbeiten und stilistisch zu formen, Holz, Leinwand und eine sehr handwerkliche Atmosphäre.

Iris liebt es, zuerst in der Tiefe der Materie zu graben und sich von dort in einem suchenden, oft für sie selbst überraschenden Schaffensprozess in höhere Sphären vorzuarbeiten. Schicht um Schicht hebt sie dabei die Erde immer weiter in den Himmel der Empfindung, transformiert die Materie zu Licht und Bedeutung.

Was dabei entsteht, bleibt, wie schon angedeutet, aber nicht einfach Darstellung oder Ausdruck. Iris’ Bilder sind – aus meiner Sicht nicht zuletzt durch ein ständiges Changieren zwischen konkret und abstrakt – vor allem als Einladung gemeint und zu verstehen. Eine Einladung dazu, in einen kreativen Prozess des Schauens einzutreten. Aus dem Bereich der darstellenden Kunst kennen wir ja die Idee des Zu-Schauens oder Zu-Hörens. Die Performance lebt immer auch von dem, was aus den Innenwelten des Publikums zurückschwingt.

Noch deutlicher wird das bei der Idee des Betrachtens. Trachten ist ja etwas sehr Absichtsvolles. Indem ich etwas be-trachte, lade ich es mit meinen Themen und Absichten auf. Nichts eignet sich besser als die Bilder von Iris Templeton, um sich in diesem Sinne zum Aufladen einladen zu lassen. Dabei muss man eines wissen: Iris arbeitet aus einem Füllhorn der Kreativität. Kontinuierlich und, wie es einem erscheinen kann, unerschöpflich, folgt sie seit der Zeit ihres Kunststudiums in Ottersberg dem Prinzip der Transformation von Erde zu Empfindung.

Ist ein Bild fertig, hängt Iris nicht mehr allzu sehr daran. Sie hierher zu hängen heißt für sie auch, sie in neue Bedeutungsräume entlassen zu können. So sehr ihre Bilder Ausdruck ihrer feinfühligen Energie sind, warten sie nun darauf, durch neue Betrachtung weiter aufgeladen zu werden. Wo Sie also in besonderer Weise in Resonanz kommen, zögern Sie nicht, sich auf Dauer mit einem oder mehreren der Bilder zu verbinden, indem Sie sie schon heute für Ihre eigenen Bedeutungsräume käuflich erwerben.

In diesem Sinne komme ich zum Schluss. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und lenke diese nun ganz auf Ihre bildhaften Betrachtungen und Empfindungen.

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Prof. Ruta Paidere
Rede zur Vernissage am 1. November 2024, The Yard Gallery

Vor ein paar Tagen bat mich Iris, ein paar eröffnende Worte zu ihrer Ausstellung und ihren Werken zu sagen. Zunächst war ich etwas überrascht, denn ich bin keine Kunsthistorikerin und ein kunstbeschreibendes Lexikon liegt mir nicht auf der Zunge. Andererseits war es dann aber doch im Rahmen des Vorstellbaren, denn ich habe bisher jede Ausstellung von Iris besucht. Außerdem schreibe ich Musik und bewege mich somit – genauso wie Iris – in einem Bereich, der hinter der Sprache liegt, im Unterbewussten.

Auch über Musik ist es schwer, zu sprechen, es bedeutet immer ein Ringen und Suchen um etwas herum, was einem entwischt. Erklärt man als Künstlerin einem, wie man es gemacht hat, verrät man seine intimsten Quellen. Das Preisgeben von Mitteln kann, andererseits, eine Enttäuschung auslösen, weil etwas doch so oder zu einfach entstanden ist. Redet man zu viel und zu kompliziert, empfindet das Publikum es womöglich als Hochstapelei und vermutet vielleicht einen Scharlatan dahinter. Erklärt man gar nichts, wird es schlicht nicht akzeptiert. Erklärt man alles, hat man trotzdem das Wichtigste nicht sagen können, denn ein visuelles Werk ist per se verbal nicht greifbar.

Das Geheimnis kann nicht wirklich aufgelöst werden: warum ist dieses Werk entstanden, und wie genau wirkt es auf uns. Ob und wie verändert uns das Werk, was wir betrachten? Wie lange müssen wir davorstehen, bis es einen Abdruck in uns hinterlässt? WIE müssen wir darauf schauen, dass es räsoniert? Trotzdem, bei all der Schwierigkeit, ist und bleibt die wichtigste Aufgabe der Kunst, zu kommunizieren, eine Verbindung herzustellen: eine Verbindung vom Kunstwerk zum Menschen und, darüber hinaus, eine Verbindung des Menschen zu seinem eigenen Geist oder seiner eigenen Seele.

Ein Kunstwerk, das berührt, bleibt in der inneren Bibliothek gespeichert und entfaltet dort seine Wirkung in einem speziellen Raum, was man als „Intuition“ beschreiben kann.

Intuition ist eines der Begriffe, den Iris selbst erwähnt, wenn sie über ihre Arbeit spricht. Ihre Werke spielen mit Andeutungen, freien Assoziationen und Illusionen. Sie sind unvorhersehbar und überraschen durch Vielfalt von Motiven, kompositionellen Lösungen und vor allem auch – Stimmungen. Es sind im eigentlichen Sinne Traumbilder, die entstehen, wenn die Realität außer Kraft gesetzt wird. Wenn man länger in ein Bild schaut, in dem Iris das ihr eigene hell brillierende Farbenspektrum einsetzt, könnte man für ein paar Minuten fast erblinden – bis man dann sich in die andere Richtung dreht, wo eine schwarze Fläche dominiert und uns in einen anderen Traum wirft.

Iris’ Werke charakterisiert ebenfalls pure Spielfreude und Leichtigkeit – schauen wir nur auf die kleinen Miniaturen, die auf den kostenlosen Edgar-Postkarten entstanden sind – „damit sie schöner werden“, wie sie sagt. Die Welt durch den eigenen Blick gestalten und umgestalten.

Aufmerksam und vital durch diese Welt – trotz allem – immer weiter zu schreiten.

Das, was ist, erkennen. Das, was „verhimmelt“ sein muss, verhimmeln: das ist die Welt der Künstlerin Iris Templeton.

So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche!

Ich freue mich, dabei sein zu dürfen.

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Amadeus Templeton
Text für ein Magazin 2019

Eine Staffelei ist nicht das Werkzeug von Iris Templeton. Die großen Bilder entstehen auf dem Boden ihres luftigen Altbauateliers im Hamburger Grindelviertel. Von allen Seiten aus wird die Leinwand mit kleinen, breiten, spitzen, oder flachen Pinseln, Farben sowie Filzstiften bearbeitet. In meist meditativer Stimmung umkreist sie das entstehende Kunstwerk, wechselt ihre Standpunkte, malt mal mit schneller Geste von hier, mal mit klarer Führung von dort aus. Manchmal wird die Leinwand gekippt, damit flüssige Farbe herunterlaufen kann. Dann wieder dreht sie das Bild um 180 Grad, sodass die entstehenden Spuren in den Himmel weisen.

»Man kann auch in den Himmel fallen.« Dieser, von Iris Templeton gern zitierte Hölderlin-Satz, ist einer, der ihrer Sehnsucht entspricht. Ein eindeutiges Oben scheint es in den Bildern ebenso wenig zu geben, wie ein klares Unten. Ein Vorne kann auch ein Hinten sein. Die Künstlerin spielt mit dem Räumlichen, sie sucht die Dimension, sie findet die Farben, sie setzt eine Form. Die Betrachter entscheiden, was sie sehen mögen. Frei sollen sie sein, das ist der Künstlerin wichtig. Sie lässt sich ungern festlegen, verwirft, übermalt, setzt Schicht über Schicht, reduziert, sucht eine ehrliche Aussage. Ihr ist es wichtig, dass die Exponate etwas bewegen, erfreuen, anregen – oder aufregen. Ergeben sich Einblicke, die die Aussichten ändern, so haben die Bilder ihr Ziel erreicht. Diese freisetzende Kraft in die Bilder hinein zu geheimnissen, entspricht ihrer Haltung. Und wenn ein großes Bild wieder ein Stück weiter gekommen ist, dann entstehen aus den angerührten Pigmentfarben, aus den Tagesresten kunstvoll kleine Miniaturen. Ganze Stapel an A6-Blättern schichten sich auf. Serien entstehen, mal landschaftliche, mal florale und dann wieder nur abstrakte. Skizzenhaft sind diese Miniaturen und immer so, dass man die auf bündiges Holz geleimten Motive gerne ganz groß sehen mag. Im Kleinen liegt das Große. Im Großen das Kleine. Grundsätzlicher kann ein Kunstbegriff nicht sein. Im umfangreichen Werk der Künstlerin findet sich dieses Doppelmotiv wie ein roter Faden, wie eine Laufspur, einer in den Himmel fallenden Wahrheit.

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